Cottbus/Görlitz. Die Lausitz steht seit Jahren für einen tiefgreifenden Wandel.
Braunkohletagebaue werden geschlossen, Kraftwerke verlieren ihre bisherige Bedeutung und ganze Städte suchen nach einer neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rolle. Milliarden werden in Bahnstrecken, Forschungseinrichtungen, Industrieansiedlungen und Infrastruktur investiert.
Doch Strukturwandel besteht nicht nur aus Beton, Förderbescheiden und neuen Arbeitsplätzen.
Er betrifft auch die Frage, wie eine Region sich selbst sieht, welche Geschichten sie erzählt und was die Menschen mit ihrer Heimat verbinden.
Genau hier setzt das Lausitz Festival an.
Vom 25. August bis zum 13. September 2026 sollen Theater, Konzerte, Literatur, Ausstellungen und Debatten an 22 Spielstätten in 14 Orten der brandenburgischen und sächsischen Lausitz stattfinden. Das diesjährige Inspirationswort lautet „geschöpferisch“. Es verbindet die Begriffe Geschöpf und schöpferisch und soll für die Fähigkeit stehen, nach Umbrüchen immer wieder etwas Neues zu schaffen.
Die Lausitz selbst wird zur Bühne
Das Festival konzentriert sich nicht auf ein einzelnes Theater oder eine große Stadt.
Veranstaltungen sind unter anderem vorgesehen in:
- Cottbus,
- Görlitz,
- Bautzen,
- Zittau,
- Weißwasser,
- Hoyerswerda,
- Finsterwalde,
- Cunewalde,
- Bad Muskau,
- Knappenrode,
- sowie weiteren Orten der Ober- und Niederlausitz.
Gespielt wird nicht nur in klassischen Kulturhäusern. Das Programm nutzt Kirchen, Industrieanlagen, Museen, ehemalige Produktionsstätten und einen früheren Militärflugplatz.
Damit wird die Geschichte der Region selbst Teil der Inszenierung.
Ein ehemaliger Flugzeughangar besitzt eine andere Atmosphäre als eine gewöhnliche Theaterbühne. Eine frühere Energiefabrik erinnert unmittelbar an die industrielle Vergangenheit der Lausitz. Eine Dorfkirche verbindet Kunst mit der Geschichte eines Ortes und seiner Einwohner.
Diese ungewöhnlichen Spielstätten gehören inzwischen zum Markenzeichen des Festivals.
„Hamlet“ im Hangar 1 in Cottbus
Zu den wichtigsten Produktionen gehört William Shakespeares „Hamlet“.
Regisseur Marcel Kohler bringt das Stück im Hangar 1 auf dem Gelände des früheren Militärflugplatzes Cottbus-Nord auf die Bühne. Zum Ensemble gehören unter anderem Corinna Harfouch, Götz Schubert und Linn Reusse, die den dänischen Prinzen Hamlet spielt.
Der Hangar bietet eine monumentale Kulisse.
Wo früher Flugzeuge standen, soll nun ein Stück über Macht, Verrat, Zweifel, Familie und den Zerfall gesellschaftlicher Ordnung aufgeführt werden. Die Dimension des Gebäudes erlaubt eine Inszenierung, die in einem gewöhnlichen Theater kaum möglich wäre.
Das Team knüpft dabei an die erfolgreiche Produktion „Othello/Die Fremden“ an, die in den vergangenen Festivaljahren in Weißwasser gezeigt wurde. Mehrere Schauspieler und Mitglieder des Regieteams arbeiten erneut zusammen.
Die Premiere am 26. August ist nach Festivalangaben bereits ausverkauft. Weitere Aufführungen sind vorgesehen.
Shakespeare trifft auf die Gegenwart der Lausitz
„Hamlet“ gehört zu den meistgespielten Werken der Theatergeschichte.
Das Stück handelt von einem jungen Menschen, der in eine Welt aus Machtkämpfen, Lügen und politischen Intrigen gerät. Die alte Ordnung ist beschädigt, Vertrauen geht verloren und niemand weiß, was danach kommt.
Damit lässt sich eine Verbindung zur Lausitz herstellen, ohne die Region künstlich mit einem mehr als 400 Jahre alten Drama gleichzusetzen.
Auch hier geht es um den Verlust einer vertrauten Ordnung.
Der Bergbau prägte über Generationen:
- Arbeitsplätze,
- Familiengeschichten,
- Vereine,
- Landschaften,
- technische Berufe,
- kommunale Einnahmen,
- und das Selbstverständnis ganzer Städte.
Mit dem Kohleausstieg verschwindet nicht nur eine Industrie.
Es endet ein Teil der regionalen Lebenswelt.
Theater kann diesen Wandel nicht lösen. Es kann aber Erfahrungen sichtbar machen, für die in politischen Förderprogrammen oft kaum Platz ist: Verlust, Unsicherheit, Stolz, Angst und die Hoffnung auf einen Neuanfang.
Corinna Harfouch kehrt in ihre Heimatregion zurück
Corinna Harfouch gehört zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen.
Sie wurde in Suhl geboren und wuchs in der DDR auf. Ihre Mitwirkung verleiht dem Festival zusätzliche Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Götz Schubert und Linn Reusse steht sie nicht nur in „Hamlet“ auf der Bühne, sondern wirkt auch an weiteren Programmpunkten mit.
In der Görlitzer Synagoge ist eine Lesung aus Antanas Škėmas Roman „Das weiße Leintuch“ angekündigt. Harfouch liest gemeinsam mit der Pianistin Hideyo Harada.
Solche Namen helfen dem Festival, Publikum aus Berlin, Dresden, Leipzig und anderen Regionen anzuziehen.
Die eigentliche Bedeutung liegt jedoch darin, dass prominente Künstler nicht nur in großen Metropolen auftreten, sondern bewusst nach Cottbus, Görlitz, Cunewalde oder Weißwasser kommen.
Kultur im ländlichen Raum darf nicht dauerhaft aus Gastspielen zweiter Reihe bestehen.
Die Lausitz benötigt Veranstaltungen, die bundesweit wahrgenommen werden und Menschen dazu bringen, die Region gezielt zu besuchen.
Götz Schubert bringt ein Musik-Hörspiel nach Cunewalde
Götz Schubert ist außerdem mit dem Musik-Hörspiel „Passion. Über die Menschlichkeit“ in Cunewalde zu erleben.
Grundlage ist ein Roman der belgischen Schriftstellerin Amélie Nothomb. Das Werk beschäftigt sich mit den Gedanken eines Menschen am Abend vor seiner Kreuzigung und verbindet religiöse Motive mit Zweifeln, Ängsten und menschlichen Widersprüchen.
Als Spielort ist die Cunewalder Kirche vorgesehen.
Die Verbindung von Literatur, Musik und einem historischen Kirchenraum kann eine besondere Wirkung entfalten. Schubert erklärte, der Stoff habe ihm eine ungewohnt persönliche Annäherung an die Figur Jesus ermöglicht.
Damit zeigt das Festival eine weitere Stärke.
Es beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Kunstform oder ein festes politisches Thema. Große Theaterproduktionen stehen neben Lesungen, religiösen Stoffen, Gegenwartskunst und philosophischen Gesprächen.
Görlitz eröffnet das Festival
Eröffnet wird die siebte Festivalausgabe am 25. August in Görlitz.
Als Veranstaltungsort ist die Pfarrkirche St. Peter und Paul vorgesehen. Bei der Eröffnung soll erstmals der neue Credo-Preis verliehen werden.
Der Preis soll künftig alle zwei Jahre an Persönlichkeiten gehen, die sich in besonderer Weise für die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur einsetzen.
Görlitz eignet sich als Eröffnungsort besonders.
Die Stadt besitzt eine außergewöhnlich gut erhaltene historische Bausubstanz und ist zugleich unmittelbar mit Polen verbunden. Görlitz und Zgorzelec verstehen sich als europäische Doppelstadt.
Das Lausitz Festival kann diese Lage nutzen, um nicht nur deutsche, sondern auch polnische und tschechische Perspektiven einzubeziehen.
Die Lausitz endet kulturell nicht an heutigen Landes- oder Staatsgrenzen.
Sie ist eine historische Region, zu der deutsche, sorbische, polnische und tschechische Einflüsse gehören.
Zittau gehört erneut zum Festivalgebiet
Auch Zittau ist Teil der Festivalregion.
Für die Stadt im Dreiländereck ist das von besonderer Bedeutung. Zittau liegt abseits der großen deutschen Kulturzentren, besitzt aber mit dem Gerhart-Hauptmann-Theater, seinen Kirchen, Museen und der historischen Altstadt eine bemerkenswerte kulturelle Infrastruktur.
Ein länderübergreifendes Festival kann zusätzliche Besucher nach Zittau bringen und die Stadt enger mit Görlitz, Bautzen, Cottbus und den tschechischen sowie polnischen Nachbarregionen verbinden.
Gerade für kleinere Städte ist kulturelle Vernetzung entscheidend.
Sie können nicht jede große Produktion allein finanzieren. Durch gemeinsame Programme und wechselnde Spielstätten entsteht jedoch ein Angebot, das die Möglichkeiten einer einzelnen Kommune übersteigt.
Kunst zwischen Bad Muskau und Cottbus
Im Bereich der bildenden Kunst arbeitet die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau mit dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus zusammen.
Gezeigt werden Arbeiten des brasilianischen Gegenwartskünstlers Jonathas de Andrade.
Die Verbindung ist kulturpolitisch interessant.
Bad Muskau steht für das historische Erbe Fürst Pücklers und eine international bekannte Parklandschaft. Das Cottbuser Landesmuseum wiederum konzentriert sich auf moderne und zeitgenössische Kunst.
Durch die Kooperation treffen Welterbe, Landschaftsgestaltung und Gegenwartskunst aufeinander.
Solche Zusammenarbeit ist für die Lausitz sinnvoller als Konkurrenz zwischen einzelnen Einrichtungen.
Museen und Kulturorte können gemeinsam größere Projekte realisieren, Werbung bündeln und Besucher zum Weiterreisen innerhalb der Region anregen.
Musik in der Energiefabrik Knappenrode
In der Energiefabrik Knappenrode treten drei brasilianische Musiker auf.
Der Veranstaltungsort ist ein ehemaliger Industriestandort und erinnert unmittelbar an die Braunkohlegeschichte der Lausitz.
Kultur in einer solchen Umgebung besitzt eine andere Bedeutung als in einem neutralen Konzertsaal.
Die historischen Maschinen, Hallen und Förderanlagen bleiben sichtbar. Sie erzählen von Arbeit, Energie und industrieller Entwicklung. Gleichzeitig wird der Ort mit neuer Musik und internationalem Austausch gefüllt.
Das ist ein Beispiel dafür, wie ehemalige Industrieanlagen weitergenutzt werden können.
Nicht jedes stillgelegte Werk kann zu einem Museum oder Kulturzentrum werden. Doch ausgewählte Standorte können als Erinnerungsorte, Veranstaltungsflächen und touristische Ziele erhalten bleiben.
Dabei muss die Industriekultur ernst genommen werden.
Sie darf nicht nur als dekorative Kulisse für Veranstaltungen dienen. Die Geschichte der Arbeiter und Betriebe gehört ebenso zur Vermittlung wie das heutige Kulturprogramm.
Jugendliche fragen: Gehen oder bleiben?
Ein Jugendclub aus Cottbus entwickelt für das Festival ein Theaterstück über die Frage, ob junge Menschen in ihrer Heimat bleiben oder die Region verlassen sollen.
Dieses Thema trifft einen Kern der ostdeutschen Entwicklung.
Viele Jugendliche und junge Erwachsene stehen vor der Entscheidung:
- Gibt es in der Lausitz passende Ausbildungs- oder Studienmöglichkeiten?
- Finde ich hier einen gut bezahlten Arbeitsplatz?
- Kann ich meine persönlichen und kulturellen Interessen ausleben?
- Gibt es bezahlbaren Wohnraum?
- Kann ich später zurückkehren?
- Wie wird die Region in zehn oder zwanzig Jahren aussehen?
Die Politik spricht häufig über Fachkräftegewinnung und Rückkehrprogramme.
Kunst kann zeigen, wie sich diese Entscheidungen tatsächlich anfühlen.
Für manche ist das Verlassen der Heimat ein notwendiger Schritt. Andere wollen bewusst bleiben und am Wandel mitarbeiten. Viele möchten später zurückkehren, wissen aber nicht, ob sie eine passende Perspektive finden.
Wenn Jugendliche diese Fragen selbst auf die Bühne bringen, wird nicht nur über sie gesprochen.
Sie sprechen für sich selbst.
Kulturförderung wurde deutlich gekürzt
Das Festival steht allerdings unter finanziellem Druck.
Die Bundesförderung wurde nach Angaben der Veranstalter von vier auf zwei Millionen Euro halbiert. Gemeinsam mit Mitteln der Länder und Stiftungen verfügt das Festival 2026 über rund 3,3 Millionen Euro. Das Programm wurde deshalb reduziert.
Im vergangenen Jahr besuchten etwa 15.000 Menschen die Veranstaltungen.
Diese Zahl ist für ein über viele Orte verteiltes Festival respektabel. Sie muss jedoch im Verhältnis zu den öffentlichen Ausgaben betrachtet werden.
Kulturförderung darf nicht ausschließlich nach Besucherzahlen bewertet werden.
Eine Lesung in einer Dorfkirche wird niemals dieselben Zahlen erreichen wie ein großes Popfestival. Trotzdem kann sie für den Ort und die regionale Kulturlandschaft wertvoll sein.
Gleichzeitig muss ein öffentlich finanziertes Festival transparent erklären:
- Wie hoch sind die Gesamtkosten?
- Wie viel Geld fließt unmittelbar in die Region?
- Welche Besucher kommen von außerhalb?
- Wie stark profitieren lokale Künstler und Betriebe?
- Welche Veranstaltungen erreichen Menschen vor Ort?
- Welche Projekte bleiben nach Festivalende bestehen?
Nur mit nachvollziehbaren Ergebnissen lässt sich die dauerhafte Förderung überzeugend begründen.
Hochkultur darf nicht an der Bevölkerung vorbeigehen
Das Lausitz Festival setzt bewusst auf anspruchsvolle Theater-, Literatur- und Kunstprojekte.
Das ist eine Stärke.
Die Lausitz verdient mehr als ausschließlich Stadtfeste, Volksmusik und touristische Folklore. Menschen im ländlichen Osten haben dasselbe Recht auf internationale Kunst wie Einwohner Berlins, Hamburgs oder Münchens.
Trotzdem darf das Festival nicht den Eindruck eines von außen importierten Hochkulturprogramms erzeugen.
Die Menschen der Region müssen sich wiederfinden können.
Dafür braucht es:
- regionale Künstler,
- Projekte mit Vereinen und Schulen,
- sorbische und wendische Perspektiven,
- bezahlbare Eintrittspreise,
- gute Verkehrsanbindungen,
- und Veranstaltungen, die auch außerhalb des klassischen Kulturpublikums verständlich bleiben.
Kunst darf anspruchsvoll und unbequem sein.
Sie sollte aber nicht herablassend gegenüber der Region auftreten, die sie bespielt.
Sorbisches und wendisches Erbe gehört ins Zentrum
Die Lausitz ist Heimat der Sorben und Wenden.
Ihre Sprache, Bräuche, Trachten, Musik und Geschichte gehören zu den wichtigsten kulturellen Besonderheiten der Region.
Das Land Brandenburg unterstützt 2026 über den Projektfonds Kulturplan Lausitz 26 Vorhaben mit rund einer Million Euro. Ein Schwerpunkt liegt ausdrücklich auf dem kulturellen sowie sorbischen und wendischen Erbe.
Ein Lausitz Festival muss diese Identität dauerhaft sichtbar machen.
Nicht als folkloristische Ergänzung, sondern als selbstverständlichen Bestandteil des Programms.
Die sorbische Kultur ist kein Museumsstück.
Sie entwickelt sich weiter und beschäftigt sich ebenso mit modernen Fragen wie Sprache, Jugend, Digitalisierung, Abwanderung und Strukturwandel.
Wenn das Festival den Anspruch erhebt, die gesamte Lausitz abzubilden, muss dieser Teil der Region auf den Bühnen, in der Programmentwicklung und im Publikum deutlich vertreten sein.
Kultur als Teil des Strukturwandels
Der Bund und die Länder investieren erhebliche Summen in den wirtschaftlichen Umbau der Lausitz.
Kulturprojekte erhalten ebenfalls Fördermittel aus Programmen des Strukturwandels. In Brandenburg unterstützt der Projektfonds Kulturplan Lausitz zwischen 2026 und 2028 Vorhaben mit Förderbedarfen zwischen 2.500 und 150.000 Euro.
Das ist grundsätzlich sinnvoll.
Eine Region bleibt nicht allein deshalb lebenswert, weil dort neue Fabriken und Forschungseinrichtungen entstehen.
Menschen benötigen:
- Vereine,
- Theater,
- Museen,
- Musik,
- Feste,
- Treffpunkte,
- und Räume für Diskussionen.
Kulturelle Angebote helfen auch dabei, Fachkräfte und Familien zu gewinnen.
Allerdings darf Kulturförderung nicht als Ersatz für wirtschaftliche Entwicklung missverstanden werden.
Ein Festival schafft keine dauerhaften Industriearbeitsplätze und ersetzt keine funktionierende Bahnverbindung.
Kultur kann den Strukturwandel begleiten, Identität stärken und neue Sichtweisen eröffnen.
Sie kann die wirtschaftlichen Grundlagen der Region aber nicht allein schaffen.
Die Lausitz darf nicht nur Kulisse sein
Das Lausitz Festival besitzt eine starke Idee.
Eine Region im Umbruch wird selbst zur Bühne. Industriehallen, Kirchen, Flugzeughangars und historische Orte öffnen sich für Kunst und internationales Publikum.
Corinna Harfouch, Götz Schubert und weitere bekannte Künstler bringen Aufmerksamkeit in Städte, die im bundesweiten Kulturleben häufig zu wenig wahrgenommen werden.
Das ist ein Gewinn.
Doch das Festival muss mehr sein als ein kulturelles Gastspiel großer Namen.
Die Lausitz darf nicht nur eine beeindruckende Kulisse für Produktionen sein, die ebenso gut an jedem anderen Ort stattfinden könnten.
Der Bezug zur Region muss in den Geschichten, Künstlern und Diskussionen erkennbar bleiben.
Strukturwandel bedeutet für die Menschen nicht nur eine kreative Chance.
Er bedeutet auch Unsicherheit, verlorene Arbeitsplätze, Veränderungen der Landschaft und die Sorge, dass Entscheidungen erneut weit entfernt getroffen werden.
Kunst darf diese Erfahrungen nicht beschönigen.
Sie muss Raum für Stolz, Kritik und Widerspruch lassen.
Gleichzeitig sollte die Kürzung der Bundesmittel kritisch betrachtet werden. Wer vom Osten Veränderungsbereitschaft, Weltoffenheit und neue Identität verlangt, darf kulturelle Angebote nicht genau in dem Moment zurückfahren, in dem die Region sie besonders benötigt.
Öffentliches Geld verpflichtet jedoch auch zur Transparenz.
Das Festival muss zeigen, dass es nicht nur ein reisendes Hochkulturprojekt für ein bereits überzeugtes Publikum ist, sondern tatsächlich Städte, Vereine, Jugendliche und regionale Künstler einbezieht.
Gelingt das, kann das Lausitz Festival etwas Besonderes leisten.
Es kann zeigen, dass die Region nach der Kohle nicht geschichtslos wird.
Sie besitzt Vergangenheit, Gegenwart und die schöpferische Kraft, ihre Zukunft selbst mitzugestalten.