Magdeburg. Wer auf dem Land lebt, kennt das Problem häufig aus eigener Erfahrung: Der Hausarzt geht in den Ruhestand, ein Nachfolger findet sich nicht und die verbliebenen Praxen nehmen keine neuen Patienten mehr auf.

Für einen Kontrolltermin müssen Bürger immer weiter fahren. Facharzttermine sind teilweise erst nach Monaten erhältlich. Wer nicht selbst Auto fährt, ist auf Angehörige, Nachbarn, Bürgerbusse oder einen lückenhaften öffentlichen Nahverkehr angewiesen.

Diese Entwicklung könnte sich in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren deutlich verschärfen.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt fehlen bereits heute rund 240 Haus- und Facharztstellen. Bis 2030 könnte sich die Zahl der unbesetzten Stellen auf mehr als 500 erhöhen. Viele Vertragsärzte und ihre Praxisteams arbeiten bereits an der Belastungsgrenze.

Damit geht es nicht mehr nur um einzelne Praxen.

Es geht um die Frage, ob der Staat die medizinische Grundversorgung in allen Teilen des Landes noch zuverlässig gewährleisten kann.

Sachsen-Anhalt hat mehr Ärzte – und trotzdem wächst der Mangel

Auf den ersten Blick wirken die Zahlen widersprüchlich.

Nach der Statistik der Ärztekammer Sachsen-Anhalt stieg die Gesamtzahl der registrierten Ärztinnen und Ärzte von 14.058 im Jahr 2024 auf 14.381 im Jahr 2025.

Trotzdem bleiben immer mehr ambulante Stellen unbesetzt.

Das hat mehrere Gründe.

Nicht jeder registrierte Arzt arbeitet in einer Haus- oder Facharztpraxis. Viele Ärzte sind in Krankenhäusern, Behörden, Forschung, Verwaltung oder anderen medizinischen Bereichen tätig. Außerdem arbeiten jüngere Mediziner häufiger in Teilzeit oder in größeren Teams, während ältere Landärzte teilweise deutlich längere Arbeitszeiten übernommen haben.

Hinzu kommt die ungleiche Verteilung.

In Halle und Magdeburg ist die Versorgung in vielen Fachrichtungen besser als in dünn besiedelten Landkreisen. Ein rechnerischer Zuwachs an Ärzten bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Gemeinde in der Altmark oder im Südharz einen neuen Hausarzt erhält.

Mehr als 500 offene Stellen bis 2030

Die Prognose der Kassenärztlichen Vereinigung ist deutlich.

Wenn altersbedingt ausscheidende Ärzte nicht ersetzt werden, könnte die Zahl der unbesetzten Haus- und Facharztstellen bis 2030 auf mehr als 500 steigen.

Für Patienten hätte das konkrete Folgen:

  • längere Wege zur nächsten Praxis,
  • längere Wartezeiten,
  • überfüllte Sprechstunden,
  • weniger Hausbesuche,
  • Schwierigkeiten bei der Aufnahme neuer Patienten,
  • und eine stärkere Belastung von Bereitschaftsdiensten und Notaufnahmen.

Besonders problematisch ist die Entwicklung für ältere Menschen.

Sachsen-Anhalt besitzt in vielen ländlichen Regionen eine überdurchschnittlich alte Bevölkerung. Gerade diese Menschen benötigen häufiger regelmäßige Untersuchungen, Medikamente, Hausbesuche und fachärztliche Betreuung.

Wenn ausgerechnet dort Praxen schließen, wo der medizinische Bedarf besonders hoch ist, entsteht ein gefährlicher Widerspruch.

Altmark: Große Entfernungen und wenige Alternativen

Besonders schwierig ist die Lage in der Altmark.

Der Altmarkkreis Salzwedel und der Landkreis Stendal umfassen große Flächen mit vergleichsweise wenigen Einwohnern. Zu den betroffenen Städten und Gemeinden gehören unter anderem:

  • Salzwedel,
  • Gardelegen,
  • Klötze,
  • Arendsee,
  • Stendal,
  • Tangermünde,
  • Osterburg,
  • Havelberg,
  • Seehausen,
  • und zahlreiche kleinere Orte.

Wenn in einem Dorf oder einer Kleinstadt eine Praxis schließt, befindet sich der nächste Arzt häufig nicht wenige Straßen, sondern viele Kilometer entfernt.

Das wird besonders dann zum Problem, wenn Busverbindungen nur selten fahren oder Patienten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst Auto fahren können.

Eine digitale Videosprechstunde kann einfache Rückfragen erleichtern. Sie ersetzt aber keine körperliche Untersuchung, keine Blutabnahme und keinen Hausbesuch.

Mansfeld-Südharz: Ärztemangel trifft eine alternde Region

Auch Mansfeld-Südharz gehört zu den Regionen, in denen die medizinische Versorgung zunehmend unter Druck gerät.

Betroffen sind unter anderem:

  • Sangerhausen,
  • Lutherstadt Eisleben,
  • Hettstedt,
  • Mansfeld,
  • Allstedt,
  • Gerbstedt,
  • Südharz,
  • und das Seegebiet Mansfelder Land.

Viele Ärzte betreuen bereits heute sehr große Patientenstämme. Wenn eine Praxis aufgibt, müssen die umliegenden Ärzte zusätzliche Menschen übernehmen.

Das funktioniert jedoch nur begrenzt.

Eine Praxis kann nicht unbegrenzt neue Patienten aufnehmen, ohne dass Wartezeiten steigen und die Zeit für den einzelnen Menschen sinkt.

Der Ärztemangel gefährdet damit nicht nur die Erreichbarkeit, sondern auch die Qualität der Versorgung.

Harz: Tourismusregion mit wachsenden Versorgungsproblemen

Im Landkreis Harz treffen eine alternde Bevölkerung, ländliche Räume und eine touristisch stark besuchte Region aufeinander.

Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode, Blankenburg, Thale, Harzgerode und kleinere Orte benötigen eine stabile medizinische Infrastruktur.

Zu den dauerhaft im Landkreis lebenden Menschen kommen Urlauber, Wanderer und Tagesgäste. Gerade während der Ferienzeiten steigt dadurch der Bedarf an ärztlicher und notfallmedizinischer Versorgung.

Wenn niedergelassene Praxen fehlen, landen mehr Patienten in Bereitschaftspraxen oder Krankenhausnotaufnahmen.

Das verteuert das Gesundheitssystem und bindet Kapazitäten, die eigentlich für dringende Fälle benötigt werden.

Burgenlandkreis: Fachkräfte werden gesucht, Ärzte ebenfalls

Im Burgenlandkreis betrifft das Problem Städte wie:

  • Naumburg,
  • Weißenfels,
  • Zeitz,
  • Freyburg,
  • Nebra,
  • Hohenmölsen,
  • und Lützen.

Die Region benötigt Arbeitskräfte in Pflege, Industrie, Handwerk, Tourismus und Lebensmittelwirtschaft. Doch auch Ärzte und medizinische Fachangestellte werden dringend gesucht.

Für Unternehmen ist die medizinische Versorgung ebenfalls ein Standortfaktor.

Familien überlegen genau, ob es vor Ort einen Kinderarzt, Hausarzt, Zahnarzt oder ein erreichbares Krankenhaus gibt. Fehlen diese Angebote, wird es schwieriger, Fachkräfte dauerhaft in einer Region zu halten.

Ärztemangel ist deshalb nicht nur ein Gesundheitsthema.

Er ist auch ein Problem für Wirtschaft, Familienpolitik und ländliche Entwicklung.

Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg: Zwischen Industrie und ländlichem Raum

In Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg treffen größere Wirtschaftsstandorte auf weitläufige ländliche Gebiete.

Bitterfeld-Wolfen, Köthen, Zerbst, Lutherstadt Wittenberg, Jessen, Gräfenhainichen und zahlreiche Gemeinden benötigen eine verlässliche haus- und fachärztliche Versorgung.

Gerade ältere Menschen müssen regelmäßig zu Kardiologen, Augenärzten, Orthopäden oder Internisten.

Wenn diese Fachrichtungen nur noch in Dessau-Roßlau, Halle oder Magdeburg verfügbar sind, werden medizinische Termine für viele Bürger zu Tagesreisen.

Das ist besonders problematisch für Menschen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen oder keine Angehörigen haben, die sie fahren können.

Die Landarztquote soll helfen

Sachsen-Anhalt setzt unter anderem auf die Landarztquote.

Ein Teil der Medizinstudienplätze wird an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region Sachsen-Anhalts zu arbeiten. Das Land stellt dafür eine Vorabquote bereit.

Für das Bewerbungsverfahren 2026 waren voraussichtlich 32 Studienplätze über die Landarztquote und fünf über die Amtsarztquote vorgesehen.

Die Idee ist nachvollziehbar.

Nicht allein die Abiturnote soll darüber entscheiden, wer Medizin studieren darf. Berücksichtigt werden auch Eignung, Motivation und die Bereitschaft, später im ländlichen Raum zu arbeiten.

Doch die Wirkung kommt spät.

Ein Medizinstudium und die anschließende Facharztausbildung dauern viele Jahre. Studierende, die heute beginnen, können die bereits in den nächsten Jahren entstehenden Lücken nicht kurzfristig schließen.

Die Landarztquote ist deshalb ein Teil der Lösung, aber kein Notfallprogramm.

Landarztquote allein reicht nicht aus

Entscheidend ist zudem, ob junge Ärzte nach Ablauf ihrer Verpflichtung dauerhaft in der Region bleiben.

Ein Arzt entscheidet nicht nur nach Fördergeld oder gesetzlichen Vorgaben.

Wichtig sind auch:

  • Arbeitsbedingungen,
  • Kinderbetreuung,
  • Schulen,
  • Wohnraum,
  • berufliche Möglichkeiten für den Partner,
  • digitale Infrastruktur,
  • Freizeitangebote,
  • Verkehrsanbindung,
  • und die Aussicht auf eine vertretbare Arbeitsbelastung.

Wer eine Praxis übernimmt, trägt zusätzlich unternehmerische Verantwortung.

Er muss Personal finden, Räume finanzieren, Technik anschaffen, Abrechnungsvorschriften beachten und immer mehr Bürokratie bewältigen.

Viele junge Mediziner bevorzugen deshalb eine Anstellung in einem medizinischen Versorgungszentrum gegenüber einer klassischen Einzelpraxis.

Die Politik muss diese veränderten Erwartungen akzeptieren und neue Modelle ermöglichen.

Medizinische Versorgungszentren können Praxen sichern

Eine mögliche Lösung sind kommunale oder regionale medizinische Versorgungszentren.

Dort arbeiten mehrere Ärzte und weitere medizinische Fachkräfte gemeinsam. Räume, Verwaltung, Technik und Personal können geteilt werden.

Für junge Mediziner bietet das Vorteile:

  • planbarere Arbeitszeiten,
  • weniger wirtschaftliches Risiko,
  • gegenseitige Vertretung,
  • Teilzeitmöglichkeiten,
  • und weniger Verwaltungsarbeit.

Für Patienten kann ein solches Zentrum mehrere Fachrichtungen an einem Ort bündeln.

Allerdings besteht auch hier ein Risiko.

Wenn immer mehr kleine Praxen schließen und nur noch größere Zentren in Kreisstädten bleiben, werden die Wege für Menschen aus Dörfern länger.

Versorgungszentren müssen deshalb mit Außenstellen, mobilen Angeboten und regelmäßigen Sprechstunden in kleineren Orten verbunden werden.

Nichtärztliche Praxisassistenten entlasten Ärzte

Ein weiterer Ansatz ist die stärkere Nutzung qualifizierter Praxisassistenten.

Nichtärztliche Praxisassistentinnen können unter ärztlicher Verantwortung bestimmte Aufgaben übernehmen, Hausbesuche durchführen, Patienten betreuen und dadurch Arztzeit freisetzen. In Sachsen-Anhalt wurden bereits früh mehrere Hundert entsprechend qualifizierte Kräfte eingesetzt.

Solche Modelle sind sinnvoll.

Ein Arzt muss nicht jeden Blutdruck selbst messen, jede Wundkontrolle persönlich durchführen oder jeden Routinebesuch allein übernehmen.

Entscheidend ist jedoch, dass Aufgaben nur an ausreichend qualifiziertes Personal übertragen werden und die ärztliche Verantwortung klar bleibt.

Entlastung darf nicht bedeuten, dass medizinische Versorgung schleichend durch billigere Ersatzstrukturen ersetzt wird.

Mehr als 2.000 ausländische Ärzte arbeiten im Land

Sachsen-Anhalt ist inzwischen stark auf Mediziner aus dem Ausland angewiesen.

Zum Jahresende 2025 arbeiteten nach Angaben der Ärztekammer 2.035 ausländische Ärzte im Land. Ein Jahr zuvor waren es 1.903 gewesen.

Ohne diese Ärzte wäre die Versorgung in vielen Krankenhäusern und Regionen bereits heute deutlich schwieriger.

Die Entwicklung zeigt zwei Dinge.

Erstens ist Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte für das Gesundheitswesen notwendig.

Zweitens muss der Staat Anerkennungsverfahren, Sprachprüfungen und berufliche Integration besser organisieren.

Es ist nicht vermittelbar, wenn qualifizierte Ärzte monatelang oder jahrelang auf Entscheidungen warten, während gleichzeitig Praxen und Kliniken dringend Personal suchen.

Natürlich müssen Abschlüsse sorgfältig geprüft und ausreichende Deutschkenntnisse nachgewiesen werden.

Patientensicherheit hat Vorrang.

Doch Sorgfalt und schnelle Verfahren schließen sich nicht aus.

Bürokratie nimmt Ärzten Behandlungszeit

Viele Ärzte beklagen nicht nur zu viele Patienten, sondern auch zu viel Bürokratie.

Dokumentationen, Abrechnungen, Bescheinigungen, Anträge, Datenschutzvorgaben und digitale Systeme beanspruchen einen wachsenden Teil des Arbeitstages.

Jede Stunde am Computer fehlt für Patienten.

Die Politik kündigt seit Jahren Bürokratieabbau an. In den Praxen kommt davon häufig wenig an.

Ein ernsthafter Reformplan müsste prüfen:

  • Welche Dokumentationen sind medizinisch notwendig?
  • Welche Daten werden mehrfach erfasst?
  • Welche Bescheinigungen können digital automatisiert werden?
  • Welche Prüfungen verursachen mehr Aufwand als Nutzen?
  • Welche Regeln könnten für kleine Praxen vereinfacht werden?

Wer keine neuen Ärzte findet, muss zumindest dafür sorgen, dass die vorhandenen Ärzte mehr Zeit für Medizin haben.

Hausbesuche werden schwieriger

Besonders ältere und pflegebedürftige Menschen sind auf Hausbesuche angewiesen.

Doch Hausbesuche kosten viel Zeit.

Ein Landarzt kann in einer Stunde möglicherweise mehrere Patienten in seiner Praxis behandeln. Fährt er über weite Strecken zu einzelnen Häusern, sinkt die Zahl der möglichen Behandlungen deutlich.

Trotzdem darf diese Versorgung nicht einfach verschwinden.

Mobile Pflegedienste, Praxisassistenten, Gemeindeschwestern und besser koordinierte Fahrpläne könnten helfen.

Auch Kommunen könnten Räume für regelmäßige Sprechstunden zur Verfügung stellen, sodass ein Arzt nicht jeden Ort täglich, aber beispielsweise einmal pro Woche besucht.

Krankenhäuser können den Hausarzt nicht ersetzen

Wenn Patienten keinen Termin in einer Praxis erhalten, wenden sie sich häufig an die Notaufnahme.

Das ist nachvollziehbar, aber problematisch.

Krankenhäuser sind für akute und schwere Fälle da. Eine Notaufnahme ist kein dauerhafter Ersatz für einen Hausarzt.

Je mehr Menschen mit nicht dringenden Beschwerden ins Krankenhaus kommen, desto länger warten echte Notfälle und desto stärker werden Ärzte und Pflegekräfte belastet.

Die Krankenhausplanung des Landes verfolgt ein abgestimmtes Netz von Standorten und Leistungen. Nicht jedes Krankenhaus kann aus Qualitäts- und Kostengründen jede Fachrichtung vorhalten.

Gerade deshalb muss die ambulante Versorgung funktionieren.

Wenn gleichzeitig Krankenhausleistungen zentralisiert und Arztpraxen geschlossen werden, entstehen gefährliche Versorgungslücken.

Telemedizin kann helfen, aber nicht alles lösen

Videosprechstunden, digitale Befunde und elektronische Überweisungen können Wege vermeiden.

Besonders geeignet ist Telemedizin für:

  • Befundbesprechungen,
  • Verlaufskontrollen,
  • einfache Rückfragen,
  • Medikamentenanpassungen,
  • und die Betreuung chronisch Kranker.

Doch Telemedizin hat Grenzen.

Ein Bildschirm tastet keinen Bauch ab, hört keine Lunge ab und erkennt nicht jede körperliche Veränderung.

Zudem verfügen nicht alle älteren Menschen über geeignete Geräte, stabiles Internet oder ausreichende digitale Kenntnisse.

Digitale Medizin sollte deshalb die persönliche Behandlung ergänzen und nicht ersetzen.

Kommunen müssen bei der Ansiedlung helfen

Städte und Gemeinden können selbst einen Beitrag leisten.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • günstige Praxisräume,
  • Unterstützung bei Wohnungssuche,
  • Hilfe bei der Kinderbetreuung,
  • Beschäftigungsmöglichkeiten für Partner,
  • Investitionszuschüsse,
  • kommunale Versorgungszentren,
  • und Unterstützung bei Verwaltungsverfahren.

Ein junger Arzt entscheidet sich leichter für eine Region, wenn er dort willkommen ist und nicht allein mit sämtlichen organisatorischen Problemen bleibt.

Kleine Gemeinden können solche Angebote jedoch häufig nicht aus eigener Kraft finanzieren.

Das Land muss deshalb besonders finanzschwache Kommunen unterstützen.

Die Frage der gerechten Verteilung

Gesundheitsversorgung darf nicht allein vom Wohnort abhängen.

Natürlich kann nicht in jedem Dorf jede Fachrichtung angeboten werden.

Aber jeder Bürger muss in vertretbarer Zeit einen Hausarzt und notwendige medizinische Leistungen erreichen können.

Dafür braucht es verbindliche politische Ziele:

  • maximale Fahrzeiten,
  • ausreichende Hausarztkapazitäten,
  • regionale Facharztsprechstunden,
  • funktionierende Bereitschaftsdienste,
  • und erreichbare Notfallversorgung.

Ohne solche Maßstäbe bleibt die Aussage von einer flächendeckenden Versorgung unverbindlich.

Der ländliche Raum darf medizinisch nicht aufgegeben werden

Der Ärztemangel ist kein plötzliches Ereignis.

Seit Jahren ist bekannt, dass viele Ärzte in den Ruhestand gehen und sich nicht für jede Praxis ein Nachfolger findet.

Trotzdem wirkt die Politik häufig überrascht, wenn die nächste Praxis schließt.

Die Landarztquote ist sinnvoll. Ausländische Ärzte sind unverzichtbar. Medizinische Versorgungszentren und Praxisassistenten können entlasten.

Doch all diese Maßnahmen reichen nicht aus, wenn das Leben und Arbeiten auf dem Land insgesamt unattraktiver wird.

Ein Arzt braucht nicht nur eine Praxis.

Er braucht eine funktionierende Gemeinde, gute Schulen, Kinderbetreuung, schnelles Internet, erreichbare Behörden und eine Perspektive für seine Familie.

Konservative Politik bedeutet, gleichwertige Lebensverhältnisse nicht nur in Sonntagsreden zu versprechen.

Wer in Salzwedel, Sangerhausen, Zeitz oder einem kleinen Dorf lebt, zahlt ebenso Steuern und Krankenkassenbeiträge wie ein Einwohner von Magdeburg oder Halle.

Er darf deshalb nicht zum Patienten zweiter Klasse werden.

Der Staat kann keinen Arzt zur Niederlassung in einem bestimmten Ort zwingen.

Er kann aber die Bedingungen so gestalten, dass Landärzte wieder Zeit für Patienten haben, Praxen wirtschaftlich arbeiten können und junge Mediziner eine Zukunft außerhalb der Großstädte sehen.

Mehr als 500 möglicherweise unbesetzte Arztstellen bis 2030 sind keine abstrakte Prognose.

Hinter jeder fehlenden Stelle stehen Tausende Menschen, die länger warten, weiter fahren oder irgendwann gar keinen Arzt mehr finden.

Sachsen-Anhalt muss jetzt handeln.

Nicht erst dann, wenn die letzten Praxisschilder abgeschraubt werden.